13,90 Euro Mindestlohn, eine Großstadt, 129 Euro übrig: Die echte Monatsrechnung 2026
Ab Januar 2026 gilt der neue Mindestlohn von 13,90 Euro. Wer Vollzeit arbeitet und allein in einer deutschen Großstadt wohnt, hat nach Miete, Strom, Lebensmitteln und Fahrtkosten rund 129 Euro im Monat übrig. Posten für Posten durchgerechnet.
WonderFunds Team8 Min. Lesezeit
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Ein Mindestlohn-Gehalt, eine Großstadt, null Spielraum: So sieht die Rechnung 2026 wirklich aus
Seit Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 13,90 Euro pro Stunde. Klingt nach einem ordentlichen Sprung gegenüber den 12,82 Euro davor. Rund 190 Euro mehr brutto im Monat, betrifft etwa 6,6 Millionen Arbeitsverhältnisse. Aber wer allein in einer deutschen Großstadt zur Miete wohnt und von diesem Lohn lebt, merkt schnell: Die 190 Euro extra sind aufgebraucht, bevor sie auf dem Konto ankommen.
Wir haben uns die aktuelle Datenlage angeschaut und durchgerechnet, was eine alleinstehende Person mit Mindestlohn in einer Stadt wie Hamburg, Köln oder Stuttgart tatsächlich jeden Monat zur Verfügung hat. Und wo das Geld hingeht, Posten für Posten.
Brutto ist nicht netto
40 Stunden pro Woche, 13,90 Euro die Stunde. Das ergibt rund 2.410 Euro brutto im Monat. Von diesem Betrag gehen Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag (falls relevant) und die Sozialabgaben ab: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung. Zusammen macht das grob 35 Prozent.
Was bleibt? Zwischen 1.570 und 1.700 Euro netto, je nach Steuerklasse und Region. Nehmen wir für unsere Rechnung einen realistischen Mittelwert: 1.600 Euro netto.
Das klingt erstmal nach Geld. Bis man anfängt, die Ausgaben aufzulisten.
Die Miete frisst mehr als die Hälfte
Wohnen ist der größte Posten, und zwar mit Abstand. Laut aktuellen Daten kostet eine kleine Einzimmerwohnung in einer deutschen Großstadt im Schnitt etwa 1.231 Euro im Monat. In München oder Frankfurt geht es auch mal Richtung 1.400 Euro.
Wer Glück hat, findet etwas für 900 Euro. Wer Pech hat, zahlt deutlich mehr. Für unsere Rechnung nehmen wir 950 Euro an, also eine bescheidene Wohnung am Stadtrand, keine Luxusbude.
950 Euro von 1.600 Euro. Das sind 59 Prozent des Nettoeinkommens, nur für die Miete. Die oft zitierte Faustregel sagt: maximal ein Drittel des Einkommens für Wohnen. Bei Mindestlohn in der Großstadt ist diese Regel schlicht nicht einhaltbar.
11,2 % der Menschen in Deutschland lebten 2025 in Haushalten, die mehr als 40 % ihres verfügbaren Einkommens für Wohnen ausgaben. Der EU-Durchschnitt lag bei 7,7 %.
Strom, Heizung, Wasser, Internet: der zweite Block
Nach der Miete kommen die Nebenkosten. Und die sind in Deutschland alles andere als günstig.
Deutsche Haushalte zahlten 2025 im Schnitt 0,31 Euro pro Kilowattstunde Strom, einer der höchsten Werte in der EU. Ein Singlehaushalt mit moderatem Verbrauch (ca. 1.500 kWh im Jahr) kommt allein für Strom auf rund 39 Euro monatlich. Im Winter, wenn ein Heizlüfter oder eine Elektroheizung dazukommt, steigt das schnell auf 80 bis 120 Euro.
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Dazu kommen Heizung (oft über Gasabschlag), Wasser, Müllgebühren. Und Internet plus Handy braucht man halt auch. Zusammen ergibt das realistisch 180 bis 220 Euro monatlich. Wir rechnen mit 200 Euro.
Bleiben nach Miete und Nebenkosten: 450 Euro.
Einkaufen bei Aldi, trotzdem teuer
Wer bei Aldi, Lidl oder Netto einkauft und konsequent selbst kocht, gibt als Single realistisch 150 bis 250 Euro im Monat für Lebensmittel aus. Wir nehmen 180 Euro an. Das ist machbar, aber es bedeutet: kaum Restaurantbesuche, kein Lieferdienst, keine Spontankäufe.
180 Euro für Essen. Bleiben 270 Euro.
Was beim Einkauf wirklich hilft
Ehrlich gesagt, bei diesen Beträgen zählt jeder Euro. Wer seine Ausgaben Kategorie für Kategorie aufschreibt (ja, das ist langweilig, aber es funktioniert), findet fast immer Posten, die sich optimieren lassen. Mal sind es 15 Euro pro Woche für Kaffee to go. Mal ein Abo, das man vergessen hat. Aber um diese Stellen zu finden, muss man seine Ausgaben überhaupt erst kennen.
Deutschlandticket, Rundfunkbeitrag und andere Fixkosten
Das Deutschlandticket kostet seit Januar 2026 genau 63 Euro im Monat. Ohne Auto ist es für Pendler quasi unverzichtbar. Dazu kommt der Rundfunkbeitrag: 18,36 Euro pro Monat, nicht verhandelbar.
Zusammen: rund 82 Euro.
Bleiben 188 Euro. Und wir haben noch nicht über Kleidung, Hygieneartikel, Putzmittel oder Versicherungen gesprochen.
Die versteckten Posten
Ein paar Dinge, die gern vergessen werden:
Haftpflichtversicherung: Rund 5 bis 8 Euro im Monat. Klingt nach wenig, aber bei 188 Euro Budget ist das spürbar.
Hygiene und Haushalt: Zahnpasta, Shampoo, Waschmittel, Toilettenpapier, Putzmittel. Realistisch 30 bis 50 Euro im Monat.
Kleidung und Schuhe: Selbst wer nur das Nötigste kauft, kommt auf 20 bis 40 Euro monatlich, wenn man die Kosten übers Jahr verteilt.
Medikamente und Zuzahlungen: Die gesetzliche Krankenversicherung deckt vieles ab, aber Zuzahlungen für Medikamente (5 bis 10 Euro pro Packung), eine professionelle Zahnreinigung (80 bis 120 Euro) oder eine neue Brille (ab 50 Euro Eigenanteil) kommen eben doch vor.
129 Euro. Für alles andere. Für Sparen, für Freizeit, für unerwartete Ausgaben. Für den kaputten Laptop, den Zahnarztbesuch, das Geburtstagsgeschenk.
Wenn etwas Unerwartetes passiert
129 Euro Puffer im Monat klingt besser als nichts. Aber ein einziger ungeplanter Posten reißt diese Rechnung auseinander.
Die Waschmaschine geht kaputt: 300 Euro für eine günstige neue. Die Nachzahlung für Heizkosten kommt: 150 Euro. Der Arbeitgeber schickt dich zu einer Fortbildung, und du brauchst eine Zugfahrkarte außerhalb des Deutschlandticket-Gebiets: 40 Euro. Ein Freund heiratet: Geschenk plus Anfahrt, 80 Euro.
Solche Dinge passieren nicht jeden Monat. Aber sie passieren regelmäßig genug, dass der Puffer im Jahresschnitt gegen null geht. Oder ins Minus.
Tipp
Wer mit wenig Puffer lebt, profitiert am meisten davon, jede einzelne Ausgabe zu tracken. Nicht aus Zwang, sondern weil bei 129 Euro Spielraum schon 20 Euro den Unterschied zwischen "geht gerade so" und "Konto überzogen" machen können.
Warum Durchschnittswerte hier nichts bringen
Die durchschnittliche Sparquote deutscher Haushalte liegt bei knapp 11 Prozent. Das klingt erstmal solide. Aber dieser Durchschnitt wird von Haushalten mit mittleren und hohen Einkommen nach oben gezogen. Für Mindestlohn-Haushalte in Großstädten liegt die reale Sparquote bei null. Oder darunter.
Aggregierte Statistiken verschleiern, was auf Haushaltsebene passiert. Wer wissen will, wo sein Geld bleibt, braucht keine Volkswirtschaftslehre. Der braucht einen ehrlichen Blick auf die eigenen Zahlen.
Die Miete als Stellschraube, die sich kaum bewegen lässt
Theoretisch ist die Miete der größte Hebel. Wer von 950 auf 650 Euro runterkommt (etwa durch einen Umzug in eine kleinere Stadt oder eine WG), gewinnt 300 Euro im Monat. Das verändert alles.
Praktisch sieht es anders aus. Der Arbeitsplatz ist in der Stadt. Die Fahrtkosten steigen, wenn man weiter raus zieht. WGs sind für manche keine Option. Und die Mietpreise in deutschen Großstädten steigen weiter, Jahr für Jahr, ohne Anzeichen einer Stabilisierung.
Wer den Mindestlohn bekommt, hat oft wenig Verhandlungsmacht bei der Wohnungssuche. Vermieter bevorzugen Bewerber mit höherem Einkommen. Das führt dazu, dass Mindestlohn-Empfänger tendenziell teurere Wohnungen akzeptieren müssen, weil sie bei den günstigeren nicht zum Zug kommen. Ein absurder Kreislauf.
Was bringt die nächste Erhöhung?
Ab Januar 2027 soll der Mindestlohn auf 14,60 Euro steigen. Das wären nochmal rund 120 Euro brutto mehr im Monat, also vielleicht 70 bis 80 Euro netto.
70 Euro mehr netto. Bei gleichzeitig steigenden Mieten, steigenden Energiepreisen und steigenden Lebensmittelkosten. Die Frage ist, ob die nächste Erhöhung auch nur die Inflation ausgleicht. Die Antwort darauf wird davon abhängen, wie sich Mieten und Energiepreise 2027 entwickeln. Aber auf Basis der letzten drei Jahre ist Optimismus schwer zu begründen.
Warum genaues Tracken bei wenig Geld am meisten bringt
Bei einem Haushalt mit 4.000 Euro netto machen 50 Euro, die irgendwo versickern, keinen großen Unterschied. Bei 1.600 Euro netto sind 50 Euro 3 Prozent des gesamten Einkommens. Das ist ein Wocheneinkauf.
Gerade für Haushalte mit minimalem Spielraum lohnt es sich, Ausgaben Kategorie für Kategorie zu erfassen. Nicht um sich schlecht zu fühlen, sondern um Muster zu erkennen. Vielleicht liegt der Stromverbrauch über dem Durchschnitt, und ein Wechsel des Anbieters spart 15 Euro im Monat. Vielleicht gibt es einen günstigeren Handytarif für 8 Euro weniger. Diese kleinen Beträge summieren sich.
Und klar, wer seine Finanzdaten aufschreibt, will dabei Kontrolle behalten. Die eigenen Kontoauszüge, Ausgaben und Einnahmen gehören zu den persönlichsten Daten, die es gibt. Wie und wo man die speichert, sollte man sich bewusst aussuchen.
129 Euro und die Frage, was eigentlich "genug" heißt
Die Rechnung in diesem Artikel ist konservativ. Wir haben keine Freizeitausgaben eingeplant, kein Fitnessstudio (ab 20 Euro/Monat), kein Streaming (13 Euro), kein einziges Feierabendbier in einer Kneipe. Wir haben keine Haustierkosten eingerechnet, keine Weiterbildung, kein Sparen für den Urlaub.
129 Euro Restbudget im Monat sind kein komfortabler Puffer. Es ist ein Drahtseilakt. Und dieser Betrag gilt für jemanden, der Vollzeit arbeitet, 40 Stunden pro Woche, jeden Monat. Kein Teilzeitjob, keine Krankheitsausfälle, kein unbezahlter Urlaub.
Die Erhöhung auf 13,90 Euro war richtig und nötig. Aber die Arithmetik auf Haushaltsebene zeigt, dass Lohnerhöhungen und Lebenshaltungskosten ein Wettrennen sind, bei dem die Kosten aktuell vorne liegen. Wer mit diesem Budget lebt, braucht keine allgemeinen Spartipps. Der braucht einen ehrlichen, detaillierten Überblick über jeden einzelnen Euro, der reinkommt und rausgeht. Und die Sicherheit, dass diese Daten privat bleiben.