ETF-Sparplan statt Sparbuch: Wie Gen Z und Millennials 2026 für die Rente vorsorgen
Jede zweite Person unter 30 investiert bereits in ETFs – und die geplante Altersvorsorge-Reform macht privates Sparen noch attraktiver. Was das neue Altersvorsorgedepot konkret bringt und warum der beste Zeitpunkt zum Starten jetzt ist.
WonderFunds Team6 Min. Lesezeit
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Jede zweite Person unter 30 in Deutschland hat mittlerweile einen ETF-Sparplan. Das wäre vor zehn Jahren eine absurde Behauptung gewesen, aber die Zahlen des Deutschen Aktieninstituts sprechen eine klare Sprache: 14,1 Millionen Menschen investieren 2025 in Aktien, Fonds oder ETFs, zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Und die geplante Altersvorsorge-Reform könnte diesen Trend noch mal kräftig beschleunigen.
91 Prozent der Gen Z sparen, aber anders als erwartet
Aber das Sparverhalten hat sich verschoben. Rund 60 Prozent der Menschen in Deutschland sparen inzwischen gezielt für die Altersvorsorge, während der Immobilienkauf als Sparziel auf nur noch 33 Prozent gefallen ist. Verständlich: Bei Kaufpreisen von 400.000 € aufwärts in Ballungsgebieten fühlt sich das Eigenheim für viele 25-Jährige unrealistischer an als ein breit gestreuter MSCI World.
52 % der Gen Z investieren in Aktien, 51 % in ETFs — Kapitalmarktbasierte Anlageformen haben bei jungen Deutschen das klassische Sparbuch abgelöst. Quelle: Springer Professional
Das Sparbuch ist tot, die Börse lebt
26 Prozent der Millennials und 24 Prozent der Gen Z investieren monatlich. Das klingt erstmal nicht nach einer Revolution, aber verglichen mit den Zahlen von vor fünf Jahren ist es eine massive Verschiebung. Die Deutschen, traditionell eher Sparbuch-Fans, entdecken den Kapitalmarkt.
Und das liegt nicht an irgendwelchen Finfluencern auf YouTube (okay, vielleicht ein bisschen schon). Der eigentliche Treiber: Die Inflation hat gezeigt, dass Geld auf dem Girokonto real weniger wird. Wer 2022 und 2023 miterlebt hat, wie die Kaufkraft von 10.000 € auf dem Tagesgeldkonto um mehrere Hundert Euro geschrumpft ist, versteht plötzlich, warum Oma mit ihrem Festgeld bei der Sparkasse keine gute Strategie für die nächsten 30 Jahre hat.
Was die Altersvorsorge-Reform bringt, ganz konkret
Rechnen wir das mal durch: Du sparst monatlich 100 € in einen ETF-Sparplan über das neue Altersvorsorgedepot. Das sind 1.200 € im Jahr. Der Staat legt 360 € drauf (30 % von 1.200 €). Über 30 Jahre mit einer angenommenen Rendite von 7 % jährlich, und wir reden über einen spürbaren Unterschied im sechsstelligen Bereich. Der Zinseszinseffekt macht halt keine halben Sachen.
1.440 € klingen nicht nach viel. Aber wenn dieses Geld von Alter 6 bis Alter 67 im Markt arbeitet, also über 61 Jahre, dann können daraus bei historischer Marktrendite locker über 30.000 € werden. Ohne einen einzigen eigenen Euro.
Tipp
ETF-Sparplan und Altersvorsorgedepot sind nicht das Gleiche. Du kannst heute schon einen ETF-Sparplan bei deiner Bank oder deinem Broker starten, ganz ohne Reform. Das neue Altersvorsorgedepot bringt zusätzlich die steuerliche Förderung. Idealerweise hast du beides: einen normalen ETF-Sparplan für flexible Ziele und das geförderte Depot speziell für die Rente.
Das geförderte Altersvorsorgedepot soll dagegen besser geschützt sein. Wer also wenig verdient, Teilzeit arbeitet oder in einer Branche mit unsicherer Beschäftigung steckt, sollte sich genau anschauen, welches Vehikel das richtige ist. Das ist langweilig, aber es kann über Tausende Euro im Alter entscheiden.
Für die Generation, die mit Trade Republic und Scalable Capital aufgewachsen ist, klingt das nach altem Hut. Aber für die Millionen von Sparkassen-Kunden, die bisher maximal ein Tagesgeldkonto hatten, öffnet sich eine neue Welt.
Was das alles für dein Portemonnaie bedeutet
Die Reform kommt nicht übermorgen. Bis das Altersvorsorgedepot steht, dauert es wahrscheinlich bis Ende 2026 oder Anfang 2027. Aber du musst nicht warten, um anzufangen.
Ein ETF-Sparplan auf den MSCI World oder den FTSE All-World kostet bei den meisten Neobrokern 0 € Ordergebühr und startet ab 25 € monatlich. Selbst 50 € im Monat, konsequent über 30 Jahre investiert, ergeben bei 7 % durchschnittlicher Rendite über 56.000 € – bei eingezahlten 18.000 €.
Das ist kein Geheimwissen. Aber zwischen „wissen" und „machen" liegt halt oft die Hürde, sich tatsächlich hinzusetzen, die eigenen Ausgaben zu checken und zu schauen, was am Monatsende übrig bleibt. Wer seine Ausgaben kennt, weiß auch, was realistisch in einen Sparplan fließen kann. Und wer die Kontrolle über seine eigenen Finanzdaten behält, statt alles automatisiert an Dritte weiterzugeben, schläft nachts einfach besser.