46,7 Prozent der Bankkunden finden KI super wegen der Zeitersparnis. Fast genauso viele, nämlich 45,6 Prozent, haben gleichzeitig Angst vor Datenlecks. Diese Zahl aus einer aktuellen Umfrage bei t-online fasst das Dilemma ziemlich gut zusammen: Wir wollen die Vorteile von KI bei unseren Finanzen, aber bitte ohne den Kontrollverlust über unsere Daten.
Seit dem 2. August 2025 gelten die Vorschriften für KI-Systeme mit allgemeinem Verwendungszweck aus dem EU AI Act. Und ab 2026 kommen die richtig harten Regeln für Hochrisiko-KI dazu, also auch für Kreditscoring und Finanzdienstleistungen. Ein guter Zeitpunkt, sich mal anzuschauen, was „KI-gestützt" bei Finanz-Apps eigentlich bedeutet, wo deine Daten landen und welche Rechte du als Verbraucher hast.
Was der EU AI Act für dein Geld bedeutet
Der AI Act teilt KI-Systeme in Risikokategorien ein. Seit Februar 2025 sind Systeme mit „inakzeptablem Risiko" verboten, etwa Social Scoring oder manipulative Techniken. Für den Finanzbereich wird es ab August 2026 richtig relevant: KI-Systeme, die Kreditwürdigkeit bewerten oder Versicherungsprämien berechnen, fallen unter die Hochrisiko-Kategorie. Die müssen dann strenge Konformitätsbewertungen durchlaufen.
Aber auch jetzt schon passiert einiges. KI-Modelle, die viele Apps und Dienste nutzen, unterliegen seit August 2025 Transparenz- und Dokumentationspflichten. Wenn deine Finanz-App also GPT-4 oder ein ähnliches Modell im Hintergrund nutzt, um deine Ausgaben zu kategorisieren, muss der Anbieter offenlegen, wie das funktioniert.
57 % der deutschen Bankkunden nennen Datensicherheit als wichtigsten Faktor bei KI-Anwendungen im Finanzbereich. Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen folgt mit 48 %, die Möglichkeit auf menschlichen Kontakt mit 46 %.
Open Banking schickt deine Daten auf Reisen
Viele Finanz-Apps arbeiten nach dem Open-Banking-Prinzip: Du gibst deine Bankzugangsdaten ein, die App verbindet sich per PSD2-Schnittstelle mit deiner Sparkasse oder ING DiBa und liest automatisch alle Transaktionen aus. Klingt bequem. Ist es auch.
Das Problem: Deine kompletten Kontobewegungen, jeder Einkauf bei Rewe, die Miete, das Kindergeld, die GEZ-Abbuchung von 18,36 €, der peinliche Kauf um 3 Uhr nachts bei Amazon, all das landet auf Servern eines Drittanbieters. Von dort wird es oft an KI-Modelle weitergereicht, die irgendwo in der Cloud laufen. Manchmal innerhalb der EU, manchmal nicht.
73 Prozent der Finanzunternehmen setzen bereits mindestens einen KI-Use-Case ein. Bei 84 Prozent davon geht es um Effizienzsteigerung, bei 63 Prozent um Kosteneinsparungen. Effizienz und Kosteneinsparung für die Unternehmen, wohlgemerkt. Nicht unbedingt für dich.



