Letzten Monat hat eine Freundin von mir ihr Jahresabo im Fitnessstudio gekündigt. 54 Euro im Monat, einfach weg. Stattdessen läuft sie jetzt dreimal die Woche durch den Volkspark. Ihre Begründung: „Ich kann mir das Studio leisten, aber es fühlt sich gerade falsch an." Das ist ein Satz, den man 2025 oft hört.
245 Euro im Monat, aber nicht für alle
Deutsche Haushalte gaben 2022 im Schnitt rund 245 Euro monatlich für Freizeit, Unterhaltung und Kultur aus. Die Zahl klingt erstmal okay. Aber sie verzerrt die Realität.
Denn wer weniger als 1.250 Euro netto verdient, kommt auf gerade mal 46 Euro im Monat für Freizeit. Haushalte mit über 5.000 Euro netto? Die liegen bei 381 Euro. Das ist ein Faktor von über acht.
42 % der Deutschen sparen am stärksten bei Freizeitausgaben wie Kino, Theater, Konzerten und Restaurantbesuchen.
Und genau diese Schere wird durch die kumulierten Preissteigerungen der letzten Jahre noch weiter aufgerissen. Die offizielle Inflationsrate mag bei rund 2,3 Prozent liegen, aber die gefühlte Teuerung bei Freizeitaktivitäten ist deutlich höher.
Kino, Theater, Oper: Kultur wird zum Luxusgut
Die Preisentwicklung bei Kulturveranstaltungen ist heftig. Kinotickets haben sich laut Branchendaten um rund 26 Prozent verteuert. Theaterbesuche liegen etwa 16 Prozent höher, Oper und Musical rund 19 Prozent, jeweils im Vergleich zum Vorkrisenniveau. Wer früher zu zweit ins Kino ging und mit Popcorn bei 30 Euro rauskam, zahlt heute eher 38 bis 40 Euro.
Das klingt pro Besuch vielleicht verkraftbar. Aber wenn du zweimal im Monat ins Kino gehst, einmal ins Theater und einmal essen, summiert sich das schnell auf 200 Euro und mehr. Kein Wunder, dass 42 Prozent der Befragten einer YouGov-Studie angeben, bei genau diesen Freizeitausgaben am meisten zu kürzen.
Digitale Hobbys: Günstig, bequem, einsam?
Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen sind laut Erhebungen zu den Lebenshaltungskosten längst digital: Internet, Fernsehen, Musik hören, E-Mails schreiben. Das alles kostet nach der Anschaffung von Gerät und Internetzugang quasi nichts extra.
Streaming bei Netflix oder Spotify für zusammen 25 Euro im Monat ersetzt locker drei bis vier Kinobesuche. Gaming auf der bestehenden Konsole ist günstiger als jedes Wochenendprogramm draußen. Und YouTube-Tutorials für Kochen, Zeichnen oder Gitarre ersetzen Volkshochschulkurse, die mittlerweile auch teurer geworden sind.



