20 Prozent Sparquote, und trotzdem baut die Mehrheit der deutschen Haushalte kaum Vermögen auf. Das ist kein Widerspruch, den sich irgendwer ausdenkt, sondern eine Zahl, die Eurostat für 2024 bestätigt: Deutschland spart so viel wie kein anderes EU-Land. Gleichzeitig liegt die Investitionsquote deutscher Haushalte bei mageren 8,7 Prozent, also unter dem EU-Durchschnitt. Zum Vergleich: In Zypern sind es 15 Prozent, in den Niederlanden 12,3 Prozent.
Geld auf dem Konto haben und Geld arbeiten lassen sind halt zwei komplett verschiedene Dinge.
20 Prozent Sparquote, 8,7 Prozent investiert: Wo bleibt der Rest?
Man muss sich die Zahlen mal auf der Zunge zergehen lassen. Von jedem Euro, den deutsche Haushalte verdienen, legen sie im Schnitt 20 Cent zur Seite. Das ist viel. Mehr als in Frankreich (17,8 %), mehr als in Spanien (13,4 %), mehr als fast überall in Europa. Aber von diesem zurückgelegten Geld fließt ein erschreckend kleiner Anteil in etwas, das langfristig Rendite abwirft.
Deutsche Sparquote 2024: 20,0 % (höchste in der EU) | Investitionsquote: 8,7 % | Differenz: Über 11 Prozentpunkte des verfügbaren Einkommens liegen brach, ohne produktiv eingesetzt zu werden. Quelle: Eurostat, Households - statistics on income, saving and investment (2025)
Statt in Aktien, ETFs, Immobilien oder andere Anlageformen zu fließen, landet das Geld auf Tagesgeld- und Girokonten, auf Sparbüchern bei der Sparkasse, bei der Volksbank, vielleicht noch auf einem Festgeldkonto bei der ING. Da parkt es dann. Und verliert durch die Inflation real an Wert. Kein Geheimnis, aber die Dimension überrascht trotzdem jedes Mal.
Warum der OECD-Vergleich mit den USA so wehtut
Das mittlere verfügbare Haushaltseinkommen in Deutschland liegt laut OECD bei rund 39.000 Dollar. In den USA sind es 51.000 Dollar. Der Unterschied ist also schon beim Einkommen spürbar, klar. Aber der wirklich schmerzhafte Abstand entsteht eine Stufe weiter: US-Haushalte investieren ihre Ersparnisse deutlich aggressiver in Aktien, Fonds und Immobilien.
Ein US-Haushalt mit mittlerem Einkommen hat typischerweise über 401(k)-Pläne und ähnliche Instrumente Zugang zum Kapitalmarkt, oft automatisch über den Arbeitgeber. In Deutschland gibt es nichts Vergleichbares als Standard. Wer hier investieren will, muss sich selbst darum kümmern: ein Depot eröffnen, ETFs auswählen, eine Strategie festlegen. Das ist kein Hexenwerk, aber es ist eben auch kein Automatismus. Und genau da verlieren wir Millionen potenzieller Anleger.
Wer hat eigentlich das Geld?
Bevor man über Investitionsverhalten redet, lohnt ein Blick auf die Verteilung. Denn wer wenig hat, kann schlecht investieren.
Die OECD hat 2025 einen Bericht veröffentlicht, der die Vermögensverteilung in Industrieländern unter die Lupe nimmt. Die Ergebnisse für Deutschland sind ernüchternd: Die reichsten 1 Prozent der Haushalte besitzen 24 Prozent des gesamten Nettovermögens. Das ist einer der höchsten Werte in Europa.



