Seit dem 1. Januar 2026 gilt in deutschen Restaurants ein Mehrwertsteuersatz von 7 % auf Speisen statt 19 %. Rechnerisch müsste das die Preise um fast 10 % senken. Ein Schnitzel, das vorher 16 EUR gekostet hat, müsste jetzt bei 14,40 EUR liegen. Die Pizza Margherita für 12 EUR bei knapp 10,80 EUR.
Wer in den letzten Wochen essen war, hat das vermutlich nicht so erlebt. Die Speisekarte im Lieblingsitaliener sieht genauso aus wie im Dezember. Vielleicht ein, zwei Gerichte für 50 Cent weniger, aber das war es. Und die Daten bestätigen genau diesen Eindruck.
0,4 % statt 10 %
Die Preisanalyse-Firma Meoton hat über 200.000 Speisepreise aus mehr als 30.000 Gastronomiebetrieben in Deutschland ausgewertet. Das Ergebnis: Der Preisindex für Speisen fiel von 100 (Dezember 2025) auf 99,6 (Mitte Februar 2026). Ein Rückgang von 0,4 %. Nicht 10 %. Null Komma vier.
Von der rechnerischen Entlastung durch die Steuersenkung ist bei den Gästen also fast nichts angekommen. Theoretisch sollte ein Restaurantbesuch jetzt spürbar günstiger sein. Praktisch merkt man davon wenig bis nichts. Die Frage ist: Wo sind die restlichen 9,6 Prozentpunkte hin?
Warum Restaurants die Senkung nicht weitergeben
Die kurze Antwort: weil sie es sich nicht leisten können. Die längere Antwort hat mehrere Teile.
Mindestlohn. Am gleichen Tag, dem 1. Januar 2026, stieg der gesetzliche Mindestlohn von 12,82 auf 13,90 EUR. In der Gastronomie arbeiten 47 % aller Beschäftigten zum oder nahe am Mindestlohn. Jeder zweite Job. Die Lohnkosten steigen also kräftig, und in einer Branche, in der Personal der größte Kostenblock ist, schlägt das sofort durch.
Lebensmittel und Wareneinsatz. Die Einkaufspreise für Gastronomen sind seit 2020 deutlich gestiegen. Butter, Öl, Mehl, Fleisch: alles teurer als vor fünf Jahren. Diese Kosten sinken nicht, nur weil die Mehrwertsteuer reduziert wird.
Mieten und Nebenkosten. Gewerbeimmobilien in Innenstadtlagen, besonders in München, Hamburg, Berlin, Frankfurt, sind teuer. Die Pacht frisst bei vielen Betrieben 15 bis 25 % des Umsatzes. Auch hier: kein Rückgang in Sicht.
Energiekosten. Nach dem Schock von 2022 haben sich die Preise zwar beruhigt, liegen aber immer noch über dem Vor-Krisen-Niveau. Restaurants mit großen Küchen und langen Öffnungszeiten spüren das besonders. Dazu kommen steigende Versicherungen und höhere Kosten für Kassensysteme, Buchführung und Hygieneanforderungen.
Meoton-Mitgründer Christian Haese bringt es auf den Punkt: "Die Mehrwertsteuersenkung wirkt, aber nicht als Preissenkung, sondern als " Ohne die Steuersenkung wären die Preise also wohl gestiegen statt stabil geblieben.



