69 Prozent. In bar.
Zwei von drei Transaktionen in Deutschland laufen über Scheine und Münzen. Während in Stockholm kaum noch jemand sein Portemonnaie zückt, ist der Zwanziger an der Bäckertheke in Berlin, München oder Hamburg so normal wie der Kassenbon daneben. Die zeb European Payments Study 2025 zeigt: Bargeld ist in Deutschland kein Auslaufmodell. Noch nicht.
Bargeldquote im europäischen Vergleich: Österreich 73 %, Deutschland 69 %, Schweiz 57 %, Dänemark 35 %, Schweden 28 %. Quelle: zeb European Payments Study 2025
Die Zahlen erzählen eine Geschichte über Vertrauen, Gewohnheit und kulturelle Identität. Denn ob jemand bar oder mit Karte zahlt, hat wenig mit Technologie zu tun. Es hat mit dem Verhältnis zum eigenen Geld zu tun.
Norden digital, Süden analog
Schweden hat 2023 die 30-Prozent-Marke bei Bargeld unterschritten. Viele Stockholmer Cafés akzeptieren schlicht keine Münzen mehr. In Dänemark sieht es ähnlich: nur 35 % der Transaktionen laufen noch über Bargeld. Die nordischen Länder haben den digitalen Wandel im Zahlungsverkehr nicht erst gestern begonnen. Swish (Schweden) und MobilePay (Dänemark) existieren seit über einem Jahrzehnt, eng verzahnt mit den jeweiligen Bankensystemen.
Dann der Kontrast: Österreich mit 73 %. Deutschland mit 69 %. Zwei Länder, in denen „Nur Barzahlung" an der Restauranttür kein Relikt ist, sondern Alltag. In der Schweiz liegt die Quote bei 57 %, ein Mittelweg, der zur Schweiz passt.
Laut Payments Europe 2025 sind die Bargeldquoten in den meisten europäischen Ländern gegenüber 2024 gesunken. Der Trend zeigt in eine Richtung. Nur das Tempo variiert enorm.
Warum Deutschland am Bargeld hängt
Die deutsche Bargeldliebe hat Wurzeln, die tiefer reichen als die Gewohnheit. Nach zwei Währungsreformen im 20. Jahrhundert (1923, 1948) und der Erfahrung, dass Bankkonten eingefroren werden können, sitzt ein Grundmisstrauen gegenüber rein digitalen Systemen tief. „Cash is king" ist in Deutschland kein Spruch, sondern eine Haltung.
Dazu kommt die Infrastruktur. Die Girocard (früher EC-Karte) funktioniert nicht überall dort, wo Visa und Mastercard akzeptiert werden. Viele kleine Geschäfte, Wochenmärkte und Imbisse nehmen nur Bargeld, weil die Transaktionsgebühren für Kartenzahlung ihnen zu hoch sind. Laut Payments Europe bevorzugen zwar 77 % der Händler europaweit inzwischen Kartenzahlung und 71 % der Konsumenten ebenso. In Deutschland gilt das vor allem für Supermärkte und Ketten, weniger für den Kiosk an der Ecke.
Tipp
Ob bar oder digital: Entscheidend ist, dass du den Überblick behältst. Wenn du regelmäßig bar bezahlst, trage die Beträge manuell in WonderFunds ein. So entsteht kein blinder Fleck in deinem Budget, egal welche Zahlungsmethode du bevorzugst.
Generation Smartphone gegen Generation Sparbuch
Der eigentliche Bruch verläuft nicht zwischen Ländern, sondern zwischen Generationen. Laut GWI-Daten nutzen über 60 % der 18- bis 35-Jährigen in Europa täglich mobile Wallets (Apple Pay, Google Pay, Wero). 83 % der Verbraucher haben in den letzten zwölf Monaten digitale Zahlungsmethoden adoptiert. Und 68 % greifen selbst dann zur Karte, wenn Bargeld verfügbar wäre.
Die Gen Z geht noch weiter: 52 % besitzen ausschließlich digitale Bankkonten (etwa N26, Revolut oder Vivid Money). Das sind 21 Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt. Am anderen Ende des Spektrums: 97 % der Babyboomer halten an ihrem klassischen Bankkonto bei Sparkasse, Volksbank oder Commerzbank fest.
Das erzeugt im Alltag kuriose Situationen. Die Enkelin zahlt per Smartwatch, der Großvater besteht auf zwei korrekt abgezählte Fünf-Euro-Scheine. Beide haben aus ihrer Perspektive recht.
Account-to-Account: Die leise Revolution
Neben Bargeld und Karte wächst eine dritte Kategorie. Account-to-Account-Zahlungen (A2A), also direkte Überweisungen vom Girokonto ohne den Umweg über Visa oder Mastercard, gewinnen laut der zeb-Studie an Bedeutung.
Die European Payments Initiative (EPI) entwickelt mit Wero ein paneuropäisches Bezahlsystem, das genau hier ansetzt. Die Idee: ein europäisches Gegenstück zu den amerikanischen Kartennetzwerken. Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten treiben das Projekt voran. Ob Wero den Alltag erreicht, wird sich zeigen. Das Ziel ist klar: weniger Abhängigkeit von Visa und Mastercard, niedrigere Gebühren, mehr europäische Souveränität im Zahlungsverkehr.
Der EU-Zahlungsmarkt soll bis 2027 ein Gebührenvolumen von 105 Milliarden Euro erreichen. Es geht um echtes Geld, nicht nur für Verbraucher, sondern für das gesamte Finanzsystem.
Der digitale Euro: Gehört, aber nicht verstanden
Zwei Drittel der Europäer haben vom digitalen Euro gehört. Das klingt nach viel. Aber „gehört" heißt nicht „verstanden". Laut der zeb-Studie ist das Bewusstsein in den nordischen Ländern, ausgerechnet den Vorreitern der Digitalisierung, am geringsten. In Schweden und Dänemark kennt man Swish und MobilePay. Ein weiteres digitales Zahlungsmittel braucht dort kaum jemand.
In Deutschland dagegen weckt der digitale Euro andere Assoziationen. Wird das Bargeld abgeschafft? Kann die EZB dann sehen, wofür ich mein Geld ausgebe? Die Sorgen sind real, auch wenn die EZB betont, dass der digitale Euro Bargeld ergänzen, nicht ersetzen soll. Für ein Land, das 69 % seiner Transaktionen in bar abwickelt, ist das keine theoretische Debatte.
Warnung
Der digitale Euro befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Aktuell gibt es kein konkretes Einführungsdatum. Lass dich nicht von Falschinformationen verunsichern und informiere dich bei offiziellen Quellen wie der EZB.
Was Zahlungsverhalten über Finanzkultur verrät
Die Unterschiede in Europa sind kein Zufall. Sie spiegeln wider, wie Gesellschaften über Geld denken.
In Skandinavien steht Effizienz und Transparenz im Vordergrund. Digitale Zahlungen passen zu Steuersystemen, die auf lückenlose Nachvollziehbarkeit setzen. In Deutschland und Österreich dominiert das Bedürfnis nach Kontrolle und Anonymität. Bar zahlen heißt: Niemand weiß, was du kaufst. Kein Algorithmus, keine Bank, kein Staat.
Beide Haltungen haben Berechtigung. Und beide verändern sich. Die jüngere Generation in Deutschland zahlt deutlich häufiger digital als ihre Eltern. Gleichzeitig wächst in Schweden eine Gegenbewegung, die warnt, dass eine rein digitale Zahlungsinfrastruktur verwundbar ist (Stichwort: Cyberangriffe, Stromausfälle, technische Störungen).
Vielleicht liegt die Antwort nicht im Entweder-oder. Vielleicht liegt sie darin, beide Welten zu verstehen und das eigene Zahlungsverhalten bewusst zu gestalten. Was du ausgibst, ist eine Sache. Wie du es ausgibst, erzählt eine zweite Geschichte. Und ob du den Überblick behältst, entscheidet die dritte.
Egal ob bar oder digital: WonderFunds hilft dir, alle Ausgaben an einem Ort zu sehen. Ohne Bankverbindung, ohne Tracking. Jetzt kostenlos starten