Die Kontoführungsgebühr ist nicht das Problem. Mit durchschnittlich 11,3 % p.a. kassieren Banken am Dispo ein Vielfaches ihrer Refinanzierungskosten. Konkrete Rechenbeispiele zeigen, welche Banken günstiger sind und ab wann ein Wechsel sich lohnt.
WonderFunds Team7 Min. Lesezeit
Teilen
Deine Daten sind sicher. Keine Bankverbindung nötig.Mehr erfahren →
Laut BaFin-Daten lag der durchschnittliche Dispozins deutscher Banken im Frühjahr 2026 bei 11,31 % p.a. Bei einem Leitzins von 2,65 % bedeutet das: Banken verdienen an jedem Euro Dispo fast das Vierfache ihrer eigenen Refinanzierungskosten. Die Kontoführungsgebühr, über die sich alle aufregen? Nebenschauplatz.
62 Euro pro Jahr klingt harmlos
Die häufig zitierte Zahl von 62 Euro jährlichen Kontogebühren stammt aus Vergleichsportalen und beschreibt eher das untere Mittelfeld. Check24 zeigt in seinem aktuellen Girokonto-Vergleich, dass die tatsächlichen Jahreskosten je nach Nutzungsverhalten deutlich höher ausfallen können. Wer bei seiner Sparkasse ein Konto mit Girocard führt, monatlich 25 Kartenzahlungen tätigt und gelegentlich am Schalter überweist, landet schnell bei 150 bis 190 Euro im Jahr.
Trotzdem: Selbst 190 Euro Kontogebühren sind überschaubar, verglichen mit dem, was ein regelmäßig genutzter Dispo kosten kann. Und genau da wird es interessant.
Was ein Monat Dispo wirklich kostet
Rechnen wir mal mit konkreten Zahlen. Du überziehst dein Konto einen Monat lang um 2.000 Euro. Je nach Bank sieht die Rechnung so aus:
Bank
Dispozins p.a.
Kosten für 1 Monat (2.000 €)
C24 Smart (gute Bonität)
7,49 %
12,48 €
DKB (Aktivstatus)
7,91 %
13,18 €
comdirect
8,65 %
14,42 €
ING
9,99 %
16,65 €
Sparkasse (Durchschnitt)
11,50 %
19,17 €
Targobank Plus
13,73 %
22,88 €
VR-Bank Landsberg-Ammersee
15,31 %
25,52 €
Die Formel ist simpel: Betrag × Zinssatz ÷ 12. Ein Monat Dispo bei der teuersten Bank kostet doppelt so viel wie bei der günstigsten. Bei 2.000 Euro Überziehung sind das 13 Euro Unterschied. Klingt erstmal nach wenig.
Aber wer seinen Dispo regelmäßig nutzt (und ehrlich gesagt tun das mehr Leute, als es zugeben), zahlt über ein Jahr bei der VR-Bank Landsberg-Ammersee satte 306 Euro Zinsen. Bei der DKB wären es 158 Euro. Die Differenz von 148 Euro übersteigt jede Kontoführungsgebühr.
Bei 2.000 € Dauerüberziehung trennen den günstigsten (7,49 % bei C24) und den teuersten Anbieter (15,31 % bei VR-Bank Landsberg-Ammersee) über 156 Euro Zinskosten pro Jahr. (Quellen: Bankdaten.de, smava Dispozins-Vergleich)
Das könnte dich auch interessieren
Die geduldete Überziehung: noch teurer, aber kaum bekannt
Viele wissen gar nicht, dass es neben dem Dispozins noch die sogenannte geduldete Überziehung gibt. Die greift, wenn du über dein vereinbartes Dispolimit hinaus ins Minus rutschst. Laut Bankdaten.de liegt der Durchschnitt hier bei 13,04 % p.a.
Das Perfide: Diese Überziehung passiert oft unbemerkt. Eine Lastschrift geht ab, das Gehalt kommt zwei Tage später, und plötzlich bist du 500 Euro über dem Dispolimit. Die Zinsen dafür berechnet deine Bank taggenau, und sie sind höher als der ohnehin schon saftige Dispozins.
Bei manchen Sparkassen und Volksbanken liegt die geduldete Überziehung bei über 16 %. Das ist Kreditkartenniveau, nur ohne die Flexibilität einer Kreditkarte.
Warum Direktbanken beim Dispo günstiger sind
Die Erklärung ist wenig überraschend: Filialbanken haben Filialen. Mit Personal, Miete, Heizkosten. Diese Kosten müssen irgendwoher kommen. Und weil viele Kunden nicht aktiv vergleichen, können Sparkassen und Volksbanken höhere Zinssätze durchsetzen, ohne Kunden zu verlieren.
Der smava-Vergleich über 1.000 Banken zeigt das Muster klar: Direktbanken liegen fast ausnahmslos unter 10 %, Filialbanken fast immer darüber. Es gibt Ausnahmen (manche PSD Banken sind erstaunlich günstig), aber der Trend ist eindeutig.
Was viele vergessen: Auch bei Direktbanken ist der Dispo an Bedingungen geknüpft. Die DKB verlangt den "Aktivstatus" (mindestens 700 Euro monatlicher Geldeingang) für den günstigeren Zinssatz von 7,91 %. Ohne Aktivstatus zahlst du mehr. Bei der ING gibt es keine solche Abstufung, dafür liegt der Zinssatz mit 9,99 % etwas höher.
Wann sich ein Kontowechsel rechnet
Jetzt wird es praktisch. Angenommen, du bist bei einer Sparkasse mit 11,5 % Dispozins und nutzt deinen Dispo im Schnitt drei Monate pro Jahr mit 1.500 Euro. Das kostet dich:
1.500 € × 11,5 % × 3/12 = 43,13 Euro Dispozinsen pro Jahr.
Bei der DKB mit 7,91 %:
1.500 € × 7,91 % × 3/12 = 29,66 Euro.
Du sparst 13,47 Euro. Dazu kommen eventuell niedrigere oder keine Kontoführungsgebühren. Wenn deine Sparkasse 5 Euro im Monat nimmt und die DKB nichts (bei Aktivstatus), sparst du nochmal 60 Euro. In Summe also über 73 Euro im Jahr.
Und jetzt der Punkt, an dem es sich wirklich lohnt: Je höher dein durchschnittlicher Dispo und je länger du ihn nutzt, desto dramatischer wird die Differenz.
Szenario
Sparkasse (11,5 %)
DKB (7,91 %)
Ersparnis
1.000 € für 2 Monate
19,17 €
13,18 €
5,99 €
2.000 € für 6 Monate
115,00 €
79,10 €
35,90 €
3.000 € dauerhaft
345,00 €
237,30 €
107,70 €
Bei 3.000 Euro Dauerüberziehung sparst du allein durch den Zinsvorteil über 100 Euro pro Jahr. Das ist ein Wochenend-Einkauf. Oder zwei Monate GEZ.
Tipp
Wenn du deinen Dispo regelmäßig länger als vier Wochen nutzt, prüf als Erstes, ob ein Ratenkredit günstiger wäre. Laut Financer.de sind Ratenkredite im Schnitt rund 25 % günstiger als Dispokredite. Bei 2.000 Euro Dauer-Dispo kann das 30 bis 50 Euro pro Jahr ausmachen, selbst wenn der Ratenkredit nur ein Jahr läuft.
Drei Banken, die beim Dispo auffallen
Statt einer symmetrischen "Top 10" hier drei Banken, die aus unterschiedlichen Gründen interessant sind:
C24 Smart bietet laut girokonten.de mit 7,49 % einen der niedrigsten Dispozinsen am Markt. Der Haken: Der Zinssatz ist bonitätsabhängig. Wer eine mittelmäßige Schufa hat, zahlt deutlich mehr. Aber für Kunden mit guter Bonität ist das aktuell schwer zu schlagen.
DKB ist der Klassiker unter den Direktbanken. 7,91 % mit Aktivstatus, kostenloses Konto ab 700 Euro Geldeingang, solide App. Kein Schnickschnack, funktioniert einfach. Der Dispozins ist seit 2024 leicht gesunken, was zeigt, dass die Bank die EZB-Zinssenkungen (zumindest teilweise) weitergibt.
Die Sparkassen als Gruppe sind das Gegenteil. Wer bei seiner lokalen Sparkasse ein Girokonto hat, zahlt im Schnitt 11 bis 12 % Dispozins. Manche Sparkassen liegen sogar bei 13 %. Bei identischer Kreditwürdigkeit zahlst du bei der Sparkasse oft 3 bis 4 Prozentpunkte mehr als bei einer Direktbank. Das ist kein Zufall, das ist Geschäftsmodell.
Was die meisten beim Kontovergleich vergessen
Alle reden über Kontoführungsgebühren. Die sind sichtbar, stehen im Preisaushang, lassen sich leicht vergleichen. Aber die eigentliche Frage lautet: Wie nutzt du dein Konto?
Wenn du nie ins Minus gehst, ist der Dispozins egal. Dann zählen Kontogebühr, Kartenkosten, Abhebemöglichkeiten. Punkt.
Aber wenn du auch nur zwei, drei Mal im Jahr für ein paar Wochen im Dispo landest (und das passiert vielen, besonders im Januar nach den Feiertagen oder im September, wenn Versicherungsbeiträge fällig werden), dann kann der Dispozins die Kontogebühren locker überholen.
Ein ehrliches Beispiel: Meine Nachbarin hat letztes Jahr ihr Konto bei der Sparkasse behalten, weil "das schon immer so war". Sie nutzt den Dispo im Schnitt vier Monate im Jahr mit etwa 1.800 Euro. Das kostet sie bei 11,8 % Dispozins rund 70 Euro nur an Zinsen. Plus 72 Euro Kontoführung. Macht 142 Euro. Bei der DKB wären es 47 Euro Dispozinsen und 0 Euro Kontogebühr. Sie zahlt 95 Euro zu viel, jedes Jahr, für Gewohnheit.
Was sich gerade am Markt bewegt
Laut smava haben einige Banken ihre Dispozinsen seit Ende 2024 leicht gesenkt, nachdem die EZB den Leitzins mehrfach reduziert hat. Die Weitergabe ist aber uneinheitlich. Manche Sparkassen haben gesenkt, andere nicht. Und die Senkungen fallen oft kleiner aus als die Leitzinsänderung.
Das ist frustrierend, aber erwartbar. Banken geben Zinssenkungen traditionell langsamer weiter als Zinserhöhungen. Das war bei Sparzinsen so, das ist beim Dispo nicht anders.
Gleichzeitig wächst der Druck durch Neobanken. C24, N26 und Co. setzen die etablierten Banken unter Zugzwang. Ob das langfristig zu niedrigeren Dispozinsen führt, hängt davon ab, wie viele Kunden tatsächlich wechseln. Solange die Masse bei ihrer Hausbank bleibt, haben Sparkassen und Volksbanken wenig Anreiz, die Zinsen spürbar zu senken.
Dein Konto kostet mehr, als du denkst
Die 62 Euro Kontoführungsgebühr sind die Zahl, die in jeder Schlagzeile steht. Die tatsächlichen Kosten eines Girokontos hängen aber von deinem Nutzungsverhalten ab. Und für die geschätzt 6,6 Millionen Deutschen, die ihren Dispo regelmäßig nutzen, ist der Dispozins der Posten, der richtig ins Geld geht.
Ein Kontowechsel dauert, ehrlich gesagt, eine Stunde. Vielleicht zwei, wenn du viele Daueraufträge hast. Das Gesetz zur Kontenwechselhilfe verpflichtet die neue Bank sogar, dir beim Umzug zu helfen. Und wenn du dadurch 50, 80 oder 100 Euro im Jahr sparst, ist das ein ziemlich guter Stundenlohn.