1,9 %. So hoch war die Inflationsrate in Deutschland im Februar 2026, laut Destatis. Klingt zahm. Fast beruhigend. Nach den Schockjahren 2022 und 2023 mit Raten über 6 % fühlen sich unter 2 % an wie Normalität.
Nur: Diese 1,9 % sind ein Durchschnitt. Ein gewichteter Warenkorb aus Hunderten von Produkten und Dienstleistungen, zusammengestellt vom Statistischen Bundesamt auf Basis von rund 300.000 Einzelpreiserhebungen pro Monat. Und Durchschnitte haben die unangenehme Eigenschaft, fast niemanden korrekt abzubilden. Ein Single in München und eine Familie in Sachsen leben in völlig verschiedenen Preiswelten, auch wenn die offizielle Rate für beide gleich ist.
Was in den 1,9 % steckt
Der Verbraucherpreisindex (VPI) setzt sich aus zwei großen Blöcken zusammen: Waren und Dienstleistungen. Im Februar 2026 entwickelten die sich in komplett unterschiedliche Richtungen.
Dienstleistungen: +3,2 %. Handwerker, Friseure, Versicherungen, Mieten, Reparaturen. Alles, wo Arbeitskraft drinsteckt, wird teurer. Der Grund liegt auf der Hand: Löhne steigen (Mindestlohn 13,90 EUR, Tarifabschlüsse über 3 %), und Dienstleister geben das weiter.
Waren: +0,8 %. Kleidung, Möbel, Elektronik, Haushaltswaren. Der Preisdruck hat sich hier beruhigt, auch weil globale Lieferketten sich normalisiert haben und die Nachfrage nach langlebigen Gütern schwächelt.
Energie: -1,9 %. Der einzige Bereich, der deflationär wirkt. Großhandelspreise für Gas und Strom sind seit dem Krisenhoch 2022 deutlich gefallen. Beim Endkunden kommt davon weniger an als erhofft (Netzentgelte, Umlagen, Grundgebühren), aber immerhin: Energie drückt die Gesamtrate nach unten.
Nahrungsmittel: +1,1 %. Nach den extremen Steigerungen der letzten Jahre (Butter +85 % seit 2020, Olivenöl +54 %) hat sich die Lage beruhigt. Aber "beruhigt" heißt nicht "billiger". Die neuen Preise sind die neuen Normalpreise. Butter bei 2,39 EUR bleibt bei 2,39 EUR. Sie steigt nur nicht mehr so schnell wie 2023.
Das ist ein Muster, das viele Verbraucher frustriert: Die Inflationsrate sinkt, aber die Preise sinken nicht. Eine Inflationsrate von +1,1 % bei Nahrungsmitteln bedeutet nicht, dass Lebensmittel günstiger werden. Es bedeutet, dass sie ein Prozent teurer werden als letztes Jahr, das selbst schon deutlich teurer war als das Jahr davor.
Kerninflation: Die Zahl, die Ökonomen mehr interessiert
Die Kerninflation, also der VPI ohne Nahrungsmittel und Energie, liegt im Februar 2026 bei 2,5 %. Das ist deutlich über der Gesamtrate. Und genau diese Zahl beobachtet die EZB besonders, weil sie zeigt, wie stark der Preisdruck in der Breite der Wirtschaft ist.



