23.000 Euro im Junior-Depot: Was passiert, wenn dein Kind 18 wird?
Die Consorsbank-Studie 2025 zeigt beeindruckende Zahlen für Junior-Depots, doch fast keine Familie plant den Moment, in dem das Kind die volle Kontrolle übernimmt. Hier findest du konkrete Sparplan-Szenarien, den 13.132-Euro-Steuerfreibetrag erklärt und eine praxisnahe 5-Jahres-Übergabestrategie, die BAföG-Falle, Familienversicherung und den Übergabemoment ehrlich mitdenkt.
WonderFunds Team8 Min. Lesezeit
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Durchschnittlich 23.000 Euro liegen in deutschen Junior-Depots, wenn Kinder zwischen 12 und 17 sind. So weit, so erfreulich. Aber hier ist die unbequeme Wahrheit: Fast keine Familie hat einen konkreten Plan für den Tag, an dem das Kind 18 wird und plötzlich allein über dieses Geld entscheidet. Die Consorsbank hat für ihre Junior-Depot-Studie 2025 über 100.000 Depots ausgewertet. Die Zahlen sind beeindruckend. Der blinde Fleck ist es auch.
Was die Studie tatsächlich zeigt (und was sie verschweigt)
Die Consorsbank hat anonymisierte Daten von über 100.000 Junior-Depots mit 1,5 Millionen Erwachsenendepots verglichen. Und die Kids schlagen die Eltern: Zwischen 2020 und 2024 legten Junior-Depots im Schnitt um 19,6 Prozent zu, während Erwachsenendepots nur auf 18,2 Prozent kamen. Die erfolgreichste Altersgruppe? 6- bis 11-Jährige mit 21,1 Prozent Plus. Der Grund ist simpel: Eltern investieren für ihre Kinder disziplinierter und mit weniger Panikverkäufen als für sich selbst.
Rund 80 Prozent des Vermögens in Junior-Depots stecken in Wertpapieren, vor allem ETFs. Das ist klug. Was die Studie aber nicht adressiert: Was passiert am 18. Geburtstag, wenn das Kind rechtlich die volle Kontrolle übernimmt? Kein Finanzberater ruft an, kein Formular fordert einen Plan. Das Kind bekommt einfach Zugang, fertig.
Junior-Depots erzielten zwischen 2020 und 2024 eine Durchschnittsrendite von 19,6 %, verglichen mit 18,2 % bei Erwachsenendepots. Die Altersgruppe 6 bis 11 Jahre lag sogar bei 21,1 %. (Quelle: Consorsbank Junior-Depot-Studie 2025)
255 Euro Kindergeld pro Monat: Ein Sparplan, der sich selbst finanziert
Seit 2025 liegt das Kindergeld bei 255 Euro monatlich pro Kind, also 3.060 Euro im Jahr. Viele Familien nutzen das Kindergeld für laufende Kosten, klar. Aber wer es kann, fährt mit einer direkten Umleitung ins Junior-Depot extrem gut.
Rechnen wir mal konkret: 255 Euro monatlich in einen MSCI World ETF, bei einer angenommenen Rendite von 7 Prozent pro Jahr (historisch realistisch, keine Garantie). Nach 18 Jahren stehen da rund 100.000 Euro. Davon sind 55.080 Euro eingezahlt und der Rest ist Rendite. Selbst bei konservativeren 5 Prozent landen wir bei etwa 83.000 Euro. Das übersteigt den Studiendurchschnitt von 23.000 Euro deutlich, weil eben nicht jede Familie den vollen Kindergeldbetrag investiert.
Wer nicht die kompletten 255 Euro entbehren kann: Auch 100 Euro monatlich ergeben nach 18 Jahren bei 7 Prozent Rendite rund 39.000 Euro. Und ein Sparplan bei der Consorsbank startet bereits ab 10 Euro. Jeder Betrag zählt, auch wenn der Satz abgedroschen klingt.
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Der 13.132-Euro-Steuertrick, den die meisten Familien ignorieren
Hier wird es richtig interessant. Kinder haben eigene Steuerfreibeträge. Wenn dein Kind keine anderen Einkünfte hat (und mal ehrlich, die meisten 8-Jährigen haben kein Gehalt), bleiben Kapitalerträge bis zu 13.132 Euro pro Jahr komplett steuerfrei. Die Zusammensetzung:
Der Grundfreibetrag liegt 2025 bei 12.096 Euro. Dazu kommt der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro und der Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 Euro. Zusammen: 13.132 Euro.
Um diesen Freibetrag zu nutzen, brauchst du eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) vom Finanzamt. Klingt bürokratisch, ist aber überschaubar. Du beantragst sie, sie gilt normalerweise für drei Jahre, und die Bank behält dann keine Abgeltungsteuer ein. Ohne NV-Bescheinigung werden 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli automatisch abgezogen. Bei 5.000 Euro Kapitalerträgen sind das über 1.300 Euro, die du dir zwar über die Steuererklärung zurückholen könntest, aber wer macht das schon für sein Kind?
Tipp
Beantrage die NV-Bescheinigung direkt bei der Depoteröffnung. Sie ist kostenlos, gilt bis zu drei Jahre und verhindert, dass die Bank automatisch Abgeltungsteuer einbehält. Ohne sie verlierst du Rendite durch unnötige Steuerabzüge.
Wann sich das besonders lohnt
Bei kleineren Depots mit wenigen hundert Euro Erträgen im Jahr macht die NV-Bescheinigung kaum einen spürbaren Unterschied, der Freistellungsauftrag von 1.000 Euro reicht. Aber sobald das Depot wächst (und bei den Studiendurchschnitten von 23.000 Euro reden wir schnell von 1.500 Euro oder mehr an jährlichen Erträgen), wird der Effekt real.
Und hier liegt ein strategischer Hebel: Vor dem 18. Geburtstag Gewinne realisieren, also ETF-Anteile verkaufen und direkt wieder kaufen ("Gewinnrealisierung"). Solange die Erträge unter 13.132 Euro bleiben, fällt null Steuer an. Das Kind startet dann mit einem höheren Einstandskurs ins Erwachsenenleben, was spätere Steuern reduziert.
Die drei Fallen, die am 18. Geburtstag zuschnappen
Falle 1: BAföG und das Vermögen des Kindes
Hier wird es ehrlich gesagt etwas frustrierend. BAföG-Empfänger dürfen aktuell maximal 15.000 Euro Vermögen besitzen (seit der letzten Reform angehoben, früher waren es nur 7.500 Euro). Alles darüber wird angerechnet und reduziert den BAföG-Anspruch.
23.000 Euro im Depot? Dann werden 8.000 Euro als verwertbares Vermögen gezählt. Bei einem BAföG-Höchstsatz von 934 Euro monatlich kann das mehrere Monate Förderung kosten. Das ist bitter, wenn die Familie jahrelang gespart hat, um dem Kind eine gute Basis zu geben.
Die Konsequenz für die Planung: Wenn ein Studium wahrscheinlich ist und BAföG in Frage kommt, muss das Depot zum Zeitpunkt der BAföG-Antragstellung (nicht am 18. Geburtstag, sondern bei Studienbeginn) unter der Grenze liegen. Das kann bedeuten: Teile des Vermögens vorher für Führerschein, Kaution der ersten Wohnung oder ein Auslandsjahr einsetzen. Sinnvolle Ausgaben, die ohnehin anstehen.
Falle 2: Familienversicherung in der Krankenkasse
Solange dein Kind über dich familienversichert ist, darf es kein regelmäßiges Einkommen oberhalb von 505 Euro monatlich erzielen (Gesamteinkommen, nicht nur Arbeitseinkommen). Pro Jahr sind das 6.060 Euro. Kapitalerträge zählen dazu. Wenn das Kind 18 ist und das Depot regelmäßig Dividenden ausschüttet oder Gewinne realisiert werden, kann die Familienversicherung kippen.
Eigene Krankenversicherung als Student kostet circa 110 Euro monatlich. Das sind 1.320 Euro im Jahr, die direkt von der Rendite abgehen. Nicht dramatisch, aber ärgerlich und vermeidbar.
Falle 3: Der psychologische Kontrollverlust
Und dann ist da die Sache, über die niemand gern spricht. Mit 18 hat dein Kind rechtlich alleinige Verfügungsgewalt über das Depot. Es kann alles verkaufen und sich einen gebrauchten BMW kaufen. Es kann auf Krypto-Tipps von TikTok hören. Es kann auch einfach gar nichts tun und den Sparplan weiterlaufen lassen.
Du hast dann null Kontrolle. Juristisch zumindest.
Eine 5-Jahres-Übergabestrategie, die tatsächlich funktioniert
Statt am 18. Geburtstag überrascht zu werden, beginnt die Planung idealerweise mit 13. Ja, das klingt früh. Ist es auch. Aber das muss kein großes Projekt sein.
Mit 13 bis 14: Transparenz herstellen
Zeig deinem Kind das Depot. Erkläre, was ein ETF ist (ein Korb voller Aktien, gestreut über viele Unternehmen). Zeige die Wertentwicklung, auch die Einbrüche. Der Corona-Crash 2020 ist dafür ein gutes Beispiel: kurz runter, dann deutlich hoch. Das vermittelt mehr als jede Theorie.
Mit 15 bis 16: Mitsprache einführen
Lass dein Kind einen kleinen Teil (zum Beispiel 50 Euro monatlich) selbst in einen ETF seiner Wahl investieren. Ob das ein Themen-ETF wie Clean Energy oder ein Standard-MSCI-World ist, spielt hier weniger eine Rolle. Es geht darum, eigene Entscheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu beobachten.
Mit 16 bis 17: Steuerliche Vorbereitung
Jetzt ist der Zeitpunkt, Gewinne zu realisieren. Wenn im Depot 8.000 Euro unrealisierte Gewinne liegen, verkaufe ETF-Anteile und kaufe sie sofort zurück. Die NV-Bescheinigung sorgt dafür, dass keine Steuern anfallen. Der Einstandskurs wird hochgesetzt, was spätere Steuerlast senkt.
Gleichzeitig: Prüfen, ob BAföG relevant wird. Falls ja, überlegen, welche sinnvollen Ausgaben vor Studienbeginn getätigt werden können (Führerschein: ca. 3.000 bis 4.500 Euro, Laptop für die Uni: 1.000 bis 1.500 Euro, Auslandsreise: individuell).
Mit 17 bis 18: Das Übergabegespräch
Kein feierlicher Akt nötig, aber ein ehrliches Gespräch. Was sind die Ziele? Wie viel soll weiter investiert bleiben? Welche regelmäßigen Kosten kommen (Miete, Versicherung, GEZ)? Vielleicht auch: Was sind typische Fehler, die junge Anleger machen?
Ehrlich gesagt ist dieser Teil langweilig, aber er ist der wichtigste. Ein 18-Jähriger, der versteht, warum er 20.000 Euro im Depot lassen sollte statt sie auszugeben, hat einen gewaltigen Vorsprung.
Was bei der ganzen Planung gern vergessen wird
Die Schenkungsteuer ist bei Junior-Depots fast nie ein Problem. Eltern können jedem Kind bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken (über zehn Jahre gerechnet). Bei Großeltern sind es 200.000 Euro. Die 23.000 Euro aus der Studie liegen weit darunter.
Was aber vergessen wird: Die Schenkung muss tatsächlich eine Schenkung sein. Das bedeutet, das Geld gehört dem Kind. Eltern, die das Depot "auf den Namen des Kindes" führen, aber heimlich als eigene Altersvorsorge betrachten, bekommen spätestens am 18. Geburtstag ein Problem. Steuerlich und familiär.
Noch ein Punkt, der selten erwähnt wird: Wenn das Depot auf den Namen des Kindes läuft und Erträge über den Freibeträgen liegen, kann das Kind steuerpflichtig werden. Das betrifft Familien mit größeren Depots (ab circa 150.000 Euro aufwärts), ist aber bei den Studiendurchschnitten eher unwahrscheinlich.
Die Zahlen sprechen für sich, der Plan muss von dir kommen
Die Consorsbank-Studie zeigt, dass deutsche Familien beim Vermögensaufbau für Kinder vieles richtig machen. 80 Prozent ETF-Anteil, disziplinierte Sparpläne, solide Renditen. Das ist gut.
Was fehlt, ist die zweite Hälfte der Arbeit. Die Übergabe. Die steuerliche Optimierung vor dem 18. Geburtstag. Das ehrliche Gespräch. Die BAföG-Prüfung. Die Familienversicherungsgrenze.
23.000 Euro sind ein fantastischer Start ins Erwachsenenleben. Aber nur, wenn sie dort ankommen, wo sie hingehören: in einer durchdachten Anlagestrategie, die das Kind versteht und bewusst fortführt. Alles andere ist ein teures Geschenk ohne Gebrauchsanweisung.