Anfang Januar 2026 war bei vielen ETF-Sparern plötzlich weniger auf dem Verrechnungskonto. Keine Abbuchung, die man selbst getätigt hätte. Kein Fehler der Bank. Sondern: die Vorabpauschale. Rund 33 EUR pro 10.000 EUR Depotwert, einfach so abgebucht, ohne Vorwarnung auf dem Kontoauszug, und viele hatten keine Ahnung warum.
Wenn du in thesaurierende ETFs investierst (also Fonds, die Dividenden automatisch reinvestieren statt auszahlen), dann betrifft dich das jedes Jahr aufs Neue. Im Januar zieht deine Depotbank automatisch Steuern auf fiktive Erträge ein. Fiktiv, weil du das Geld nie auf deinem Konto gesehen hast. Es steckt noch im Fonds. Der Staat will trotzdem seinen Anteil, und holt ihn sich im Voraus.
Das Prinzip dahinter ist simpel: Ohne die Vorabpauschale könntest du Steuern auf Kursgewinne theoretisch Jahrzehnte aufschieben, einfach indem du nie verkaufst. Das Investmentsteuergesetz hat dem 2018 einen Riegel vorgeschoben. Seitdem gibt es eine jährliche Mindestbesteuerung, unabhängig davon, ob du Gewinne realisierst oder nicht.
Der Basiszins: Warum es 2026 richtig spürbar wird
Die Höhe der Vorabpauschale hängt vom sogenannten Basiszins ab, den die Deutsche Bundesbank jährlich aus der Rendite langfristiger Bundesanleihen ableitet. 2021 und 2022 lag der Basiszins bei exakt 0 %. Keine Vorabpauschale, kein Steuerabzug, kein Schreck im Januar. Die Nullzinsphase der EZB hat das möglich gemacht.
Dann kamen die Zinserhöhungen. 2023 sprang der Basiszins auf 2,55 %. 2024 lag er bei 2,29 %. Für das Steuerjahr 2025, fällig im Januar 2026, sind es 2,53 %. Wer erst während der Nullzinsphase mit dem ETF-Sparen angefangen hat, kennt die Vorabpauschale vielleicht vom Hörensagen. Vom eigenen Kontoauszug kannte man sie bis 2023 halt nicht.
Und der Trend zeigt nach oben: Für das Steuerjahr 2026, fällig im Januar 2027, steigt der Basiszins auf 3,20 %. Die Steuerbelastung wächst also weiter.
So wird die Vorabpauschale berechnet
Die Formel klingt sperrig, ist aber kein Hexenwerk:
Basisertrag = Depotwert am 1. Januar × 2,53 % × 0,7
Der Faktor 0,7 ist ein pauschaler Abschlag. Danach kommt bei Aktienfonds die Teilfreistellung: 30 % des Basisertrags sind steuerfrei. Auf den Rest zahlst du Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %. (Kirchensteuer kommt bei manchen noch obendrauf.)
Abstrakte Formeln helfen wenig. Konkrete Euro-Beträge schon eher.
10.000 EUR im Aktien-ETF, +10 % Wertzuwachs in 2025:
- Basisertrag: 10.000 × 2,53 % × 0,7 = 177,10 EUR



